WAZ: Club möbelt Rennbahn wieder auf

WAZ vom 16.03.2018 über die Renovierungsarbeiten auf der Galopprennbahn in Mülheim.


Die neuen Pächter haben mit umfangreichen Renovierungsarbeiten begonnen. Ziel ist es, neue Pferdebesitzer und Besucher zu gewinnen - so auch mit Public Viewing.

Arbeit gebe es auf der Galopprennbahn reichlich, sagt Thorsten Danz, Sprecher des Rennclub Mülheim an der Ruhr, und weist zugleich auf die Fortschritte hin, die seit der Übernahme der Anlage durch den neuen Pächter bereits erzielt worden sind. An vielen Stellen auf dem weiten Gelände am Raffelberg wird seit einigen Wochen saniert, modernisiert, aufgeräumt. Am 3. April findet das erste Rennen 2018 statt - das Leben auf der Traditionsanlage geht weiter, nachdem der Rennverein als bisheriger Pächter Insolvenzantrag gestellt hat.

„Man spürt hier eine regelrechte Aufbruchstimmung“, sagt Jasmin Almenräder, die als Trainerin auf der Anlage arbeitet. Liebhaber der Rennbahn, sogar von weit her, hätten sich angeboten, mit anzupacken, berichtet sie. Fünf Rennen wird es in diesem Jahr wieder geben. „Wir wollen uns deutlich steigern in den nächsten Jahren“, sagt Danz. Auch hochklassige Pferde will man wieder nach Mülheim locken, Gruppe- und Listenrennen.

Jede zweite Box steht derzeit noch leer

250 bis 270 Pferde in sieben bis acht Stallungen könnten am Raffelberg untergebracht werden. Nahezu jede zweite Box steht jedoch derzeit leer, weil sie in keinem guten Zustand sind. Auch das will der neue Pächter ändern. „Alle Stallungen werden weiß gestrichen, einige erhalten zusätzliche Fenster.“ Karl-Dieter Ellerbracke vom Gestüt Auenquelle und Vorsitzender des Rennclubs hofft, dass auch vermehrt Mülheimer künftig den Weg zum eigenen Pferd finden und die Anlage nutzen. „Wir haben hier viele Pferde von auswärtigen Besitzern, zum Teil sogar aus der Schweiz und aus Russland.“

Wege und Laufbahnen wurden in den vergangenen Wochen freigeschnitten. Alle auf der Anlage beteiligten sich an der Geläufpflege, die Toilettenanlagen werden erneuert, Dächer abgedichtet, Metallstützen geschliffen, die Tribünen neu gestrichen, das Hauptgebäude mit Terrasse wird herausgeputzt und soll künftig allen Besuchern offenstehen. „Wir werden sicherlich in den nächsten drei Jahren mit Renovierungen zu tun haben“, sagt Danz.

Auch Geldgeber sitzen im Vorstand

Froh ist der Rennclub, dass im Vorstand nicht nun namhafte Kenner des Pferdesports vertreten sind, sondern auch Geldgeber. „Es muss eine Menge finanziert werden“, sagt Ellerbracke. Manche Schäden auf der Anlage haben nur eine kleine Ursache, aber eine verheerende Wirkung. So weise eines der Häuser gravierende Feuchtigkeitsschäden auf, weil Dachpappe für ein paar Euro fehlte, sagt Karl Trybuhl, Manager beim Rennstall Unia Racing und Rennbahn-Inspektor.

Die Stadt Mülheim, Eigentümer der Galopprennbahn, hatte in den vergangenen Tagen einen externen Gutachter damit beauftragt, die Statik einer der beiden Tribünen zu untersuchen. „Die Nutzung ist wieder freigegeben“, berichtet Stadtsprecher Volker Wiebels. Allerdings sei die Nutzung zunächst bis Ende 2019 begrenzt. Schieferplatten müssten erneuert werden. Auch ein Korrosionsschutz an den Stahlträger ist neu aufzubringen. „Wir stellen eine erfreuliche Entwicklung auf der Rennbahn fest“, heißt es im Rathaus, wo sich die Politik geschlossen für den Erhalt einer der ältesten Mülheimer Sportstätten eingesetzt hatte.

Veranstaltungen verschiedener Art geplant

Vordringlich geht es um den Pferdesport, die neuen Pächter denken aber auch an andere Nutzungen: Etwa an Events verschiedener Art. „Wir bemühen uns gerade für die Fußball-WM eine Großleinwand für Public Viewing zu bekommen“, so der Clubsprecher. An einen Biergarten ist gedacht, überhaupt hat man vor, eine Gastronomie ganzjährig zu betreiben. Die Säle unter den Tribünen sollen den Charme der 50er Jahre verlieren. „Man muss sich dort wohlfühlen“, sagt Ellerbracke und denkt an die Möglichkeit der Vermarktung. Auch er spricht von jahrelanger Arbeit, um wieder ein Schmuckstück aus der Anlage zu machen. Vordringlich sei, die Galopprennbahn „wieder in die Rentabilität zu bringen und sie so herzurichten, dass die Mülheimer gerne kommen.“
(16.03.2018)